Intels überraschungsmilliarde: defekte chips als geheimwaffe
Intel hat in diesem Quartal unerwartet hohe Gewinne verzeichnet – und das dank einer überraschend cleveren Strategie. Statt auf Flaggschiff-Chips zu setzen, wurden defekte Chips, sogenannte Edge-Dies, als sogenannte ‘B-Grade’ verarbeitet und mit einem deutlichen Rabatt verkauft.
Wie intel aus müll gold schürft
Der Chip-Hersteller nutzte die Nachfrage nach Prozessoren, die eskaliert, und bot Kunden – auch die, die offenbar bereit waren, mit minderwertigen Komponenten zu leben – diese günstigeren ‘B-Grade’ Angebote an. Analyst Ben Bajarin von Creative Strategies beschreibt es als ‘Binning’ – die Sortierung von Chips nach Qualität. Chips, die aufgrund von Fertigungsproblemen nicht die strengen Anforderungen erfüllen, wurden herausgeschnitten und als ‘Mid-Range’ Prozessoren mit sechs Kernen verkauft.
Intel’s Kunden, angeblich sogar etablierte Partner, waren offenbar so verzweifelt nach Chips, dass sie bereit waren, Abstriche zu machen. ‘Was wir gesehen haben, ist, dass Kunden alles kaufen, was sie bekommen können – auch die binned Chips’, twitterte Bajarin. Intel’s Investor Relations Team bestätigte, dass sie “was einst als Ausschuss galt”, nun mit deutlichem Gewinn verkauften.

650 Basispunkte über der erwartung
Die Ergebnisse des ersten Quartals sind um 1,4 Milliarden Dollar höher als erwartet, was den Analysten völlig unerwartet war. Intel’s Profitabilität stieg um beachtliche 650 Basispunkte – also 65 Prozentpunkte – über den eigenen Schätzungen. Die Bruttomarge landete bei beeindruckenden 41,5 Prozent, gegenüber den erwarteten 34,5 Prozent. Diese unerwarteten Zahlen sind ironischerweise das Ergebnis der cleveren Nutzung defekter Chips. Intel’s Geschäftsbereiche im Bereich Künstliche Intelligenz wuchsen im ersten Quartal um eine signifikante Mehrheit.
Obwohl Intel nicht mehr an der Entwicklung von Chips für Smartphones oder Tablets beteiligt ist, hat das Unternehmen die Prinzipien des ‘Binning’ von anderen Chip-Herstellern wie TSMC übernommen. So beispielsweise, der A17 Pro Application Processor im iPad mini (A17 Pro), der 2024 auf den Markt kam, verwendet eine Fünf-Kern-GPU anstelle der Sechs-Kern-GPU im A17 Pro, der für iPhones 15 Pro und 15 Pro Max verwendet wird. Intel hat bewiesen, dass auch aus vermeintlichem Müll wertvolle Produkte entstehen können – ein strategischer Coup, der das Unternehmen vor den Herausforderungen der aktuellen Chip-Knappheit bewahrt.
