Deepfake-betrugsboom: ki-gesichter werden zum geschäftsmodell
Eine neue Entwicklung im Bereich der Cyberkriminalität zeichnet sich ab: Deepfake-Betrüger suchen aktiv nach Gesichtern für künstliche Intelligenz. Berichten von Wired zufolge werden Menschen zunehmend rekrutiert, um ihre Mimik und ihr Aussehen für betrügerische Zwecke zu nutzen. Die Angebote, die auf Plattformen wie Telegram kursieren, versprechen hohe Verdienste, bergen aber erhebliche Risiken.
Verlockende angebote, gefährliche realität
Die Situation ist alarmierend: Zahlreiche Kanäle auf Telegram listen Stellen für „KI-Gesichter“ auf. Diese Stellenanzeigen locken mit attraktiven Konditionen und versprechen schnelles Geld. Laut Recherchen von Wired bieten diese kriminellen Organisationen den vermeintlichen Modellen Software an, mit der sie ihr Aussehen mithilfe von KI verändern können. Der Fokus liegt dabei auf romantischen Betrügereien, bei denen die Täter emotionale Bindungen herstellen, um Opfer zu manipulieren und finanziell auszunutzen.
Hieu Minh Ngo, ein Cyberkriminalitätsforscher bei der gemeinnützigen Organisation ChongLuaDao, beobachtet diesen Trend mit Sorge. Die Angebote sind vor allem in Türkei, Russland, Ukraine und Belarus sowie in anderen asiatischen Ländern aktiv. Die Modelle sollen regelmäßig Fotos an ihre Auftraggeber senden, Videogespräche führen und Audio- und Videobotschaften erstellen – oft mit einer Arbeitsbelastung von bis zu 100 bis 150 Videoanrufen pro Tag.
Die Anforderungen an die „Modelle“ sind hoch. Realistische Aufnahmen sind Pflicht, Pelz ist verboten, Filter sind erlaubt, müssen aber täuschend echt wirken. Selbst ein persönliches Video, in dem die Bewerber ihre Erfahrungen und Zukunftspläne darlegen, gehört zum Bewerbungsprozess. Auch der Familienstand und der Impfstatus werden abgefragt. Die Arbeitszeiten sind oft unregelmäßig und die Freizeit limitiert. Ein Modell soll beispielsweise nur vier Tage und ein halbes Mal pro Monat frei haben.
Die Anzeigen selbst enthalten kaum direkte Hinweise auf betrug, doch zahlreiche Warnsignale lassen die wahren Absichten erkennen: Die Aufforderung, mehrere Sprachen zu sprechen, oder die explizite Suche nach Personen mit Erfahrung im Umgang mit Kryptowährungen für Betrugsplattformen.
Die hohe Nachfrage nach realistischen Gesichtern zeigt, wie weit sich Deepfake-Technologie bereits entwickelt hat. Die Grenze zwischen Realität und Fälschung verschwimmt zunehmend. Die Opfer dieser neuen Form des Betrugs sind oft nicht vorbereitet und verlieren schnell den Überblick. Die Zahl der betroffenen Personen wird voraussichtlich in den kommenden Monaten weiter steigen.
Die Verurteilung einer Arbeitnehmerin in Spanien zu einer Entschädigung von über 50.000 Euro, weil sie zur Nutzung von Gesichtserkennung gezwungen wurde, ist ein deutliches Zeichen für die zunehmende Gefahr und die Notwendigkeit strengerer Regularien. Diese Entwicklung ist kein vorübergehendes Phänomen. Die digitale Welt wird immer komplexer – und mit ihr die Möglichkeiten für Kriminelle.
