Russland profitiert vom öl-boom: sanksionen drehen das blatt
Moskau profitiert von einem unerwarteten Wende, nachdem westliche Sanktionen Russland gezwungen hatten, Öl stark reduziert zu verkaufen. Die geopolitische Lage hat die Ölpreise in die Höhe getrieben und Russland in eine ungewöhnliche wirtschaftliche Position gebracht.

Russland verkauft öl nun mit gewinn – ein unerwarteter wandel
Die Sanktionen gegen Russland aufgrund des Ukraine-Krieges hatten zunächst zu einem Einbruch der Ölpreise und zu Verlusten für Moskau geführt. Doch jetzt hat sich die Situation dramatisch gewandelt. Während Russland zuvor gezwungen war, seine Ölprodukte stark reduziert zu verkaufen, werden diese nun zu Preisen gehandelt, die über den globalen Durchschnitt liegen. Dies ist eine direkte Folge der anhaltenden Unsicherheit auf dem Energiemarkt und der Unterbrechungen der Lieferketten.
Der Wandel ist rasant. Der russische Rohöltyp Urals, der zuvor mit bis zu 12 Dollar unter dem Brent-Referenzpreis gehandelt wurde, erzielt nun eine Prämie von etwa 4 Dollar. „Heute ist die Nachfrage hoch, und wie wir sehen, sind die Rabatte gesunken und in einigen Bereichen werden Verkäufe sogar mit einer Prämie getätigt“, erklärte der russische Vizepremierminister Alexander Nowak.
Dieser unerwartete Gewinn wird als „Kriegsgewinn“ für den Kreml gewertet. Die Einnahmen aus Öl und Gas machen traditionell mehr als ein Drittel des russischen Staatshaushalts aus, der in den letzten Jahren bereits unter den Folgen der westlichen Sanktionen gelitten hat. Die Wirtschaft Russlands wuchs laut offiziellen Schätzungen im Jahr 2025 lediglich um 1 %, ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Wachstum von 4,3 % im Vorjahr.
Die Situation verschärfte sich mit dem Konflikt zwischen Iran und Israel. Vor dem 28. Februar war der Ölmarkt von großen Lagerbeständen und Erwartungen eines Überschusses geprägt. Durch die Störungen im Schah-Straße und die Schäden an der Energieinfrastruktur ist dieser Puffer jedoch fast vollständig aufgelöst. Rystad Energy schätzt, dass die Produktion unter das Niveau der Pandemie-Ära gesunken ist, was die Ausgleichsmaßnahmen der IEA kaum kompensieren können.
Die IEA hatte Anfang des Monats geplant, 400 Millionen Barrel strategische Reserven freizusetzen, um die Marktstörungen zu bewältigen. Die Ölpreise stiegen nach Beginn des Konflikts zunächst auf fast 120 Dollar pro Barrel an, sind aber seitdem wieder gesunken, bleiben aber volatil. Die globalen Ölreserven können Schocks kaum noch absorbieren, wie die Analyse von Paola Rodriguez-Masiu, Chefeasystenz für Öl bei Rystad Energy, betont.
„Das globale Pipersystem kann Schocks nicht mehr so absorbieren, wie es das noch vor drei Wochen konnte“, so Rodriguez-Masiu. Die russische Ölproduktion hat sich seit Januar von 135 Millionen Dollar pro Tag auf 270 Millionen Dollar pro Tag verdoppelt. Dieser Boom gefährdet die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten Russlands, obwohl der Kreml vor übermäßigem Konsum warnt. Doch die derzeitige Situation zeigt, dass geopolitische Instabilität die wirtschaftliche Landschaft schnell verändern kann.
Die Erholung des Ölmarktes ist fragil. Die unmittelbare Folge der Sanktionen war ein deutlicher Rückgang der Produktion und der Einnahmen. Nun profitiert Russland von einem Umstand, der auf Dauer nicht haltbar ist. Die Frage ist nicht, ob sich die Situation wieder normalisiert, sondern wie hoch der Preis für diese kurzfristige Dominanz sein wird.
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